Noch mal ein Werkstattbericht, Teil 1

Heute mal wieder etwas aus der Werkstatt. Ein Kunde hat ein altes Uhrwerk von Bulova ersteigert. Ich schätze, etwa 40er oder 50er Jahre. Automatik mit Zeigerdatum und Wochentagsanzeige. Ein recht seltenes Werk, selbst Bulova konnte keine genaueren Angaben zum Herstellungsdatum machen. Das sollte jetzt wieder auf „Vordermann“ gebracht werden.

Also los. Zuerst wird das Werk komplett auseinandergenommen und gereinigt. Das Öl hatte die Konsistenz von Honig nach der langen Liegezeit.

Nachdem alle Räder und Lager auf Abnutzung und Verschleiß überprüft sind, geht es an den Zusammenbau. Zuerst das Räderwerk.

Der Kenner erkennt an dem Langen Zapfen des Kleinbodenrades, dass das Werk eine indirekt angetriebene Zentralsekunde hat. Dann die Räderwerksbrücke aufsetzen und festschrauben.

Weiter geht es mit der Zifferblattseite. Die Winkelhebelfeder wird entfernt und die beiden Zeigerwerksräder werden abgenommen.

Die Lager, auch das unter dem Wechselrad, werden geölt. Das Viertelrohr wird aufgesteckt. Nicht ohne den Sitz vorher etwas gefettet zu haben. Auch an die Lagerbutzen für das Wechselrad und das Zeigerstelltrieb kommt etwas Fett.

Dann werden die Räder eingesetzt und die WHF wird aufgeschraubt. Auch hier muss an die Stellen, die reiben, etwas Fett getan werden.

Dann ist wieder die Werkseite dran. Das Federhaus einbauen und die Brücke aufschrauben.

Das Kronrad wird abgeschraubt (Achtung: Linksgewinde) und der Lagerring wird gefettet.

Dann wieder festschrauben. Die Stoßsicherungsfeder wird durch leichtes verdrehen geöffnet.

Leider ist der Deckstein nicht richtig sauber geworden, es klebt noch etwas altes Öl daran.

Also noch mal zusammen mit dem Lochstein im Benzinbad reinigen. So ist es besser.

Ein Tropfen Öl auf den Deckstein und den Lochstein draufsetzen. Beide Teile einlegen und die Decksteinfeder schließen.

Bei der Kontrolle des Ankers ist mir aufgefallen, dass eine Palette nicht richtig sitzt. Prima, dachte ich. Dann kann ich ja mal wieder den Ankerkorrektor benutzen, den ich mir in der Meisterschule gemacht habe. Wo ist er nur? Ach ja, ganz hinten in der oberen Schublade.

Aber leider ist der zu groß für den Anker.  🙁

Also lege ich den Anker auf eine ebene Fläche und richte die Palette flach aus. Statt die Palette mit Schelllack zu befestigen, nehme ich allerdings einen kleinen Tropfen 2K Kleber. Wenn es den früher schon gegeben hätte, hätten die Uhrmacher den auch benutzt.

Während er Kleber aushärtet, öffne ich die Decksteinfeder im Unruhkloben. Auch hier musste ich nachreinigen.

Dann baue ich die Unruh in den Kloben. Die Spirale muss zwischen den beiden Stiften des Schlüssels liegen. Dann wird der Schlüssel „geschlossen“, damit die Spirale nicht aus dem Schlüssel kann.

Wenn Anker und Unruh eingesetzt sind, presse ich das Mitnehmerrad für die Zentralsekunde auf den langen Zapfen.

Der Zapfen für den Sekundenzeiger ist sehr lang. Er muss ja durch das ganze Minutenrad gehen und vorne noch etwas überstehen.

Zum Schluss noch die Friktionsfeder aufschrauben. Die sorgt dafür, dass der Zapfen nicht rausfällt und dass der Sekundenzeiger nicht zappelt. Das ist bei indirekt angetrieben Zentralsekunden so.

Jetzt ist wieder die Zifferblattseite dran. Das Stundenrad und das Datumschaltrad werden aufgesetzt.

Eine Platte mit den Sperrfedern und der Klinke für die Datumschnellschaltung wird mit drei Schrauben befestigt und der Datumstern (mit 31 Zähnen) wird aufgesetzt.

Dann die Wochentagscheibe. Diese hat 14 Zähne. Die Scheibe dreht sich also in 2 Wochen einmal und ist dementsprechend bedruckt.

Das Zifferblatt wird aufgeschraubt und das Zeigerwerk gedreht, bis der Schaltvorgang für den Wochentag beginnt.

Dann setze ich den Stundenzeiger leicht auf 12 Uhr und drehe 6 Stunden weiter. Erst jetzt wird der Stundenzeiger fest aufgedrückt und auch der Minutenzeiger gesetzt.

Für den Sekundenzeiger muss ich den Zapfen von hinten unterstützen, um die Friktionsfeder nicht zu beschädigen.

Fertig. Noch überprüfen, ob die Zeiger gerade sitzen und nicht aneinander hängen bleiben. Dann kommt das Werk erst mal in ein Plastikdöschen und wird zur Seite gelegt.

Den Automatikblock muss ich noch machen. Der Rotor zieht die Zugfeder in beide Drehrichtungen auf.

Auch der wird auseinandergenommen und auf Verschleiß kontrolliert.  Er besteht aus den beiden Wechslerrädern (nicht zu verwechseln mit dem Wechselrad des Zeigerwerks), einem Reduktionsrad und dem Antriebsrad, das ins Sperrrad eingreift.

Wenn dieses Bauteil wieder zusammengesetzt und geölt ist, kommt es zusammen mit dem Werk und dem Rotor in die „Petrischale“

Das ist natürlich keine richtige Petrischale aus einem Labor. Die Schale ist aus Kunststoff und war mal eine Verpackung für irgendwelche Beautyprodukte. Sie eignen sich aber sehr gut für meine Zwecke. Zumal es der geriffelte Boden erleichtert, auch ganz kleine Teile gut mit der Pinzette fassen. Ich habe mal mehrere davon erworben.

 

So, das war der erste Teil. Das Werk soll natürlich auch mal in einer Uhr getragen werden. Dazu braucht es noch ein passendes Gehäuse. Wie es weitergeht zeige ich dann im zweiten Teil des Berichtes.