Mal wieder ein Werkstattbericht.

Da sich im Moment nicht anderes findet, hier mal wieder ein Bericht aus der Werkstatt.

Zur Zeit häufen sich Fortis- Uhren in meiner Werkstatt. Kürzlich hatte ich einen Cosmonaut- Chrono, der aufwändig restauriert werden musste. Jetzt kam ein klassischer Fliegerchrono rein. Die Uhr hatte schon einiges erlebt und wurde intensiv genutzt. Ein Drücker fehlte und der Glasrand hatte eine mächtige Delle vom Kontakt mit einer Türklinke.

Durch den Stoß hatte sich der Einpressring unter das Glas geschoben. Die Macken und Kratzer konnte ich kaum zählen. Intensiv genutzt eben. Dafür wurden diese Uhr ja auch hergestellt. Wie erwartet hatte das Glas so viel Spannung, dass ich es nicht in einem Stück rausdrücken konnte.

Ich habe das Gehäuse dann in die kleine Drehbank gespannt und den Glasrand vorsichtig ausgedreht. Nur die Beule, bis die Glasfalz wieder rund war. Zustellung max. 0,02 mm, das Gehäuse sollte ja nicht fliegen lernen. Fast 15 Hundertstel musste ich rausdrehen. Das ist eine Menge, wenn man bedenkt, dass das Pressübermaß pro Seite nur 0,05 mm beträgt.

Hier sieht man die Stelle, an der Material abgedreht wurde.

Anschließend habe ich Macken und Kratzer rausgeschliffen. Zum Glück hat das Gehäuse keine scharfen Kanten, die würden bei einer Schleiferei natürlich total rund.

Nachdem die Oberflächen noch mit 1000er Schmirgelpapier fein geschliffen wurden, wird das Gehäuse rudimentär poliert.

Dann geht das Strahlen nachher schneller. Und ich sehe, ob ich beim Feinschleifen nichts übersehen habe. So wie hier. Das geht beim Strahlen nicht raus.

Dann werden Gehäuse und Band mit Glasperlen matt gestrahlt.

Die neuen Drücker haben seit ein paar Jahren eine Einschulterung. Dadurch sind sie besser gegen Stöße geschützt. Macht ja Sinn.

Extra für diese Drücker habe ich mir vor längerer Zeit einen solchen Einpressstempel gemacht.

Und: ich habe ihn auch sofort gefunden. In der Schublade mit Fortis- Teilen, wo sonst

In einer Handpresse presse ich die Drücker dann rechtwinklig in das Gehäuse

Sitzt!

Während ich auf die restlichen Ersatzteile warte, nehme ich mir das Werk vor. Ich will niemanden damit langweilen, wie ich ein 7750 überhole, daher hier ein etwas älteres Bild. Das sieht immer so aus.

Und hier nur das Ergebnis. Die drei Chronozeiger waren etwas verblasst, die habe ich neu lackiert.

Inzwischen sind auch die restlichen Ersatzteile angekommen. Glas mit Einpressring und die Krone.

Jetzt kommt es noch einmal drauf an, ob ich gut gearbeitet habe und die Ausdrehung für das Glas schön rund geworden ist.

Zum Schutz der Entspiegelung lege ich eine Plastikfolie zwischen Glas und Stempel.

Tschacka !!!!

Zum Schluss noch eine Kontrolle der Ganggenauigkeit.

Als letztes schraube ich den Rotor auf, dann wird die Uhr wasserdicht verschlossen.

Uff, das war eine Menge Arbeit, es hat sich für diese schöne Uhr aber gelohnt. Mal eine Anprobe:

Jaaaaa……, würde mir auch gefallen.

Ich habe die Gelegenheit dann genutzt, meine eigene „Uraltfortis“ mal wieder raus zu suchen und anzulegen. Oje, die Tritiumzahlen haben schon mal bessere Zeiten gesehen. Ich glaube, mit dieser Uhr war ich 1995 auf der Isle of Man.