JANUS -2, ein etwas längerer Beitrag

Vorab etwas in eigener Sache: ich bin kein Fotograf. Es ist auch nicht immer optimales Licht in der Werkstatt. Wenn also einige Bilder etwas zu wünschen übrig lassen, bitte ich das zu entschuldigen.

Scheinbar kommt das „Konzept“ des Modells JANUS recht gut an. Es freut mich natürlich, dass diese etwas ungewöhnliche Zusammenstellung ihre Freunde findet. Obwohl 8.000 € schon eine „Hausnummer“ sind für diese Uhr. Wenn man aber bedenkt, dass ich für die    Herstellung dieser Uhr mit „eigenem Werk“, inkl. der Gehäusearbeiten, etwa 120 Stunden    brauche, relativiert sich der Preis schon etwas. Und es sind ja auch einige Fremdleistung und Zulieferteile dabei, die ich auch bezahlen muss.
Aber die Idee mit dieser Wendeuhr ist einfach zu schön, um sie nicht weiter aus zu bauen. Nach einigen Überlegungen, und angeregt durch Gespräche auf der MunichTime, habe ich mich entschlossen, ein Modell JANUS-2 mit einem ETA Automatikwerk zu fertigen.

Ich habe mir also zwei Werke ETA 2824-2 genommen und bis auf die letzte Schraube demontiert. Die Platinen und Brücken habe ich getupft und geschliffen. Das Werk ist ja gut sichtbar und es soll „dem Auge gefallen“. Anschließend gehen die Teile zur Galvanik. Ein Werk wird rohdiniert, also Weiß. Das zweite wird vergoldet.
werk werke
In der Zwischenzeit geht es an die Gehäuse. Das ETA Werk hat andere Einbaumaße, ich kann also nicht die Gehäuse nehmen, die für das Nienaberwerk gemacht wurden. Ich habe aber gleich mehrere Mittelteile gemacht. Die sind noch nicht gebohrt und endbearbeitet. Davon nehme ich zwei Stück. Die Horizontalbohrung, durch die später die Aufzugwelle geht, muss sehr genau passen. Die Einbaumaße sind bekannt, der Rest ist Rechnerei. Die Mittelteile werden mit einer speziellen Halterung in einen Schraubstock auf der Fräse eingespannt. Der Schraubstock ist auf das 100stel ausgerichtet.
geh-1 geh-2 geh-3 geh-4
Dann von zwei Seiten antasten, die ermittelten Maße zustellen und das Kronenloch bohren
geh-5 geh-6 geh-7 geh-8
Ja, ich schreibe mir auch so einfache Maße auf. Gebohrt ist gebohrt und ein Fehler (z.B. ein Zahlendreher) ist schnell passiert.
Glasrand und Gehäuseboden muss ich noch drehen. Aus Edelstahl. Der Gehäuseboden bekommt eine etwas größere Ausdrehung, weil ich ein größeres Zifferblatt aufsetzen will.
drehen1 drehen2 drehen3 drehen4
Und dann geht es an meine Lieblingsbeschäftigung: Polieren.
polieren1 polieren2 polieren3 polieren4
Nach der Reinigung der polierten Gehäuseteile (und der Hände) werden Glasrand und        Gehäuseboden mit Saphirgläsern verglast. Das leicht gewölbte Glas im vorderen Glasrand ist von der Höhe nicht unbedingt erforderlich, sieht aber besser aus.
glas1 glas2 glas3 glas4
Inzwischen sind auch die Werkteile zurück. Ich werde mich jetzt erst mal auf das vergoldete Werk beschränken. Das Uhrwerk wird wieder zusammengebaut und anschließend noch    einmal gereinigt. Falls noch Reste vom Schleifen in den Rädern sitzen. Sieht doch schon ganz gut aus.
werk1 werk2 werk3
Dann nehme ich mir einen Satz Schrauben vor. Die Vernickelung abschleifen, polieren,         reinigen, entfetten und blau anlassen. Uff, sind die klein (bis auf die Kronradschraube). Ich musste sogar ein neues „Heizblech“ machen, damit die Schrauben nicht durch die Löcher fallen.

schr-1 schr-2werk4werk5
Auch den Zahnkranz vom Kronrad habe ich abgeschliffen, poliert und gebläut
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Das ETA Werk ist kleiner, daher brauche ich einen Distanzring. Da sieht der Rotor aber nicht gut aus, er ist viel zu klein. Da ist zuviel „Luft“ im Gehäuse.
ring1
Es hilft auch nicht, wenn ich den Distanzring tupfe, sieht immer noch nicht gut aus
ring2
Also mache ich neue Rotoren. Größere, um den sichtbaren Glasdurchmesser besser auszufüllen. Die Haltebleche werden gefräst, es ist schon das „RN“ zu erkennen.
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Das Loch für das Kugellager wird ausgedreht, die Schraubenlöcher gebohrt. Anschließend versehe ich zwei mit einem Sonnenschliff und zwei mit einem Kreisschliff. Auch diese Teile werden vergoldet oder rohdiniert.
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So ein Rotor besteht aus mehreren Teilen, das Halteblech, das äußere Gewicht und dem    Kugellager in der Mitte. In diesem Fall kommen noch 4 Schrauben dazu, die den Halter mit dem Gewicht verbinden. Den Originalrotor habe ich vorher gewogen. Durch den größeren Radius ist der „Hebel“, an dem das Gewicht wirkt, auch länger. Die Aufzugleistung soll nicht beeinträchtigt werden, das Kugellager darf aber auch nicht stärker belastet werden.
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Als erstes niete ich das Kugellager ein, dann wird das Gewicht von der Rückseite mit den      4 Schrauben befestigt. Und mal auf das Werk legen. Ja, das passt.
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Den Rotor festschrauben und den Glasrand auflegen. So passt es. Den getupften Distanzring hebe ich mir auf für den Rotor mit Sonnenschliff. Das rohdinierte Werk werde ich so           zusammenstellen. Sonst wird es doch sehr „bunt und unruhig“
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Jetzt geht es an die Montage, bzw. das „Einschalen“. Da das Werk von vorne eingebaut werden muss, erst das Uhrwerk in den Distanzring und diesen dann in das Gehäuse. Werk und Ring werden mit Schrauben befestigt. Und da ist es also, mein „Zwillingspärchen“
uhr1 uhr2 uhr3
Es sind zwar keine eineiigen Zwilling, dafür sind doch zu große Unterschiede. Auch die     Exenterschraube für die Feinregulierung habe ich noch gebläut.
uhr4
Der Rotor ist größer als das Werk, daher kann ich den erst als letztes Bauteil montieren.     Natürlich mit einer gebläuten Zentralschraube.
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Und dann den Glasrand aufsetzen.
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Beim Zifferblatt habe ich mich für das zurückhaltende Bauhausdesign (eigene                          Interpretation) entschieden. Nur zwei Zeiger und die Datumsanzeige. Ein Blatt mit Sonnenschliff, das andere mit Karoschliff.
uhr9 uhr10 uhr11
Natürlich wäre auch eine andere Gestaltung möglich.
Zum Beispiel ein maritimer Stil

Maritim1

oder in der Art einer Fliegeruhr.

Flieger1

Als letztes montiere ich die Bänder. Eine Spezialfertigung der Fa. GRAF in Grenderich mit     einem Druckknopf, um die Uhr am Handgelenk „wenden“ zu können.                                    Die obere Bandbefestigung ist ein festes Niet, damit sich diese Seite nicht lösen kann.
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Jetzt lege ich die Uhren ins Schaufenster und hoffe natürlich, jemanden zu finden, der auch Spass an solchen „abgedrehten“ Ideen hat.

2 thoughts on “JANUS -2, ein etwas längerer Beitrag”

  1. 8000 Euro sind wirklich happig.
    Wenn man aber bedenkt wieviele Arbeitsstunden und Herzblut in so einer Uhr stecken, sowas quasi unbezahlbar.

    Lg

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