ganz schön knifflig, so ein Kalendermodul.

Mal wieder was aus der Werkstatt:

Ich bekam eine ältere Chronoswiss Uhr zur Reparatur. Noch aus der Zeit, als GRL mit Kelek zusammen gearbeitet hat. Mit aufgesetztem       Kalendermodul für Datum, Wochentag und Monat.

 

 

Fehlerbeschreibung: die Uhr läuft nicht mehr richtig und das Datum schaltet nicht. Aha, dann wollen wir mal sehen……….. Ich dachte erst, das Zifferblatt hat sich durch einen heftigen Stoß verschoben und die Zeigerachsen streifen. Aber die Achsen stehen mittig in den Löchern.

 

 

Also erst mal das Zifferblatt runter und schauen. Sofort sah ich, dass das Schaltrad nicht ins Stundenrad des Werkes eingriff. Der Lagerstift war abgebrochen. Na Mahlzeit……

 

 

Da gehört er eigentlich hin.

 

 

Aber erst mal das Uhrwerk. ETA 2892-2, also noch ohne „A“ ist Routine. Natürlich mit der gebotenen Vorsicht. Laut Ranfft hergestellt zwischen 1983 und 2000. Der Besitzer hatte aber noch nie Probleme mit dem Aufzug. Und scheinbar bin auch nicht der erste, der daran arbeitet. Wie die Kratzer zeigen.

 

 

Aber der Kalender. Der soll ja auch wieder funktionieren. Ein Ersatzteil bekomme ich bestimmt nicht, also neu machen. Dazu erst mal den Fuß auspressen und ausmessen. Für solche Skizzen bevorzuge ich ja aufgerissenen Briefumschläge.

 

 

Ein Stück Stahl in die Drehbank einspannen und erst den Zapfen drehen.

 

 

Messen ist das Eine, passen ist das Andere. Zur Sicherheit mal das Rad draufstecken. Passt und läuft.

 

 

Dann den Fuß andrehen, aber etwas länger lassen.

 

 

Dann absägen und den Fuß auf das passende Maß drehen. Da ist er. Puh, den kann man auch mal versehentlich einatmen.

 

 

Und wenn alles richtig ist, kann ich den neuen Stift in die Grundplatte einpressen.

 

 

Alles richtig gemacht. Tschacka ! Jetzt wird das Rad eingesetzt und noch die Feder zur Höhenbegrenzung aufgeschraubt. Dann wird der Aufsatz auf das Werk gesetzt. Die ETA- Zifferblattfüße dienen als Befestigung. Das Zifferblatt wird in zwei Buchsen am Modul befestigt.

 

 

Aber was zum Teufel ist das für ein Teil, das da noch in der „Petrischale“ liegt?

 

 

Da musste ich meine Fotos zu Rate ziehen. Aha, das liegt noch auf dem Schaltrad, wahrscheinlich um die Spannung der Feder zu erhöhen.

 

 

Die eigentliche Schaltung funktioniert folgendermaßen: der Exenter drückt eine gefederte Wippe in den Stern für das Datum und den         Wochentag und schaltet beide gleichzeitig eine Rastung weiter. Über einen Korrekturdrücker kann die Wippe manuell betätigt werden.

 

 

Dann das Zifferblatt montieren und die Zeiger setzen. Das Stundenrad ist verlängert und schaut vorne aus dem Zifferblatt. Minutenrad und      Sekundenrad sind aber normal lang. Die Zeiger für Minute und Stunde haben daher extralange Futter.

 

 

Zum Schluss die Zeiger für die Kalenderanzeige. Aber Achtung: die Anzeige für den Monat wird über ein Zwischenrad vom Datumsrad angetrieben. Vom 31. auf den 1. des Monats. Hier muss der Datumszeiger genau richtig gesetzt werden. Sonst schaltet der Monat irgendwann mal. Der Zeiger für den WoTag scheint auch nicht mehr original zu sein. Da war bestimmt schon mal ein Kollege dran.

 

 

Jetzt kann das Werk eingebaut werden. Die angerostete Aufzugwelle und die Krone werden noch getauscht. Vorher aber den Kalender noch richtig einstellen, spart die Drückerei von außen. Und den Federsteg ersetze ich auch mal lieber.

 

 

Fertig.

 

 

Auf dem Umlaufgerät kann die Uhr jetzt noch (in guter Gesellschaft) ein paar Tage laufen, bevor ich den Besitzer anrufe, dass seine Uhr abholbereit ist.

 

One thought on “ganz schön knifflig, so ein Kalendermodul.”

  1. Hallo Rainer,
    wieder mal ein super Bericht wie man eine Uhr und deren Komplikationen wieder zum Laufen bringt – und klasse Fotos!
    Das liebe ich ja an Blogs, die Fotos!

    Alexander

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