FORTIS Reparatur Tag

Etwa zwei oder drei Tage in der Woche mache ich Reparaturen. Je nach dem, was so anfällt. Ich habe zwei FORTIS Uhren da, die ich vor 12 bis 15 Jahren mal verkauft habe und jetzt dringend einen Service brauchen. Eine FORTIS GMT und einen Fliegerchrono. Mit der GMT fange ich an, zum „Warmwerden“. Jaaaaaaa, wie ein Klavierspieler vor einem Konzert muss ich mich nach einem Wochenende auch etwas warmarbeiten, bevor ich komplizierte Arbeiten mache. Da kommt ein ETA 2893 gerade recht. Was natürlich nicht heisst, dass ich das „mit Links“ mache. Ich arbeite nach der alten Methode, erst reinigen und dann zerlegen. So sieht der Werktisch dann aus.

Der Chrono wurde, wie die GMT, intensiv genutzt und hatte es auch dringend nötig. Die Uhr lief nicht mehr zuverlässig und war auch öfter von innen beschlagen, also nicht mehr richtig wasserdicht. Auch hier lasse ich das Werk zweimal durch die Reinigung laufen, bevor ich es zerlege.

Ich kontrolliere alle Lager, ob sie richtig sauber sind und die Zapfen und Räder auf Sauberkeit und Abnutzung. Die Zugfeder baue ich aus und fette den Endhaken. Dann geht es an den Zusammenbau. Erst die Räder des eigentlichen Uhrwerks. Dabei den Sekundenstopphebel nicht vergessen! Ärderlich, wenn alles zusammengebaut ist und der noch auf dem Tisch liegt 🙁

Das Uhrwerk ist in 3 „Etagen“ aufgebaut. Die erste Etage ist die Platine für das Räderwerk. Dann wird die Hemmung (Anker und Unruh) eingebaut. Die Stoßsicherungsschalen baue ich aus, um zu prüfen, ob sie richtig sauber geworden sind. Die beiden Steine fallen auseinander. Und sauber sind sie auch.

Auf den Deckstein kommt ein kleiner Öltropfen, dann werden beide Steine wieder eingebaut. Das selbe auf der Zifferblattseite.

Nachdem die Lager und die Ankerpaletten geölt sind, geht es auf die Zeitwaage.

Tschacka, sehr gut. Amplitude an der oberen Grenze, Gangergebnis gut. Die zweite Etage ist die Schaltmechanik des Chronografen. Steuernocke, Hebel und Federn.

Die dritte Etage sind die Räder des Chronografen und die beiden Räder für den automatischen Aufzug. Ein Klinkenrad und ein Reduzierrad. Besonders knifflig ist das Schwingtrieb, da es nur lose eingesetzt wird und der obere Lagerhebel, der nur locker aufliegt. Eine kleine Erschütterung durch Unachtsamkeit, und der Zapfen des Triebes liegt wieder neben dem Lagerloch.

Erst wenn die dritte Platine aufgeschraubt ist, können die Teile nicht mehr auseinanderfallen.

Uff, jetzt erst einmal durchatmen und etwas aus dem Fenster schauen, um die Augen zu entspannen. „Blick auf unendlich“ sage ich dazu.

So etwa:

Für die Arbeiten an der Zifferblattseite gibt es einen speziellen Werkhalter mit Drückern zum probieren. Zwei Zapfen unterstützen das Chronozentrumrad und das Minutenzählrad. Das ist später wichtig, wenn die Zeiger gesetzt werden.

Das Werk wird eingesetzt und liegt, bis auf die beiden Räder, frei.

Zuerst die Winkelhebelfeder abschrauben, um die Zeigerstellräder zu fetten.

Dann das Zeigerwerk, Wechselrad und die beiden Datumschalträder auflegen.

Dann die Mechanik für den Stundenzähler. Diese Teile befinden sich in einem „labilen Gleichgewicht“. Die kleine Feder ist gespannt und neigt zum Wegfliegen.

Also schnell die Abdeckung aufschrauben, damit nichts passiert.

Dann die Teile für die Datumschaltung. Auch hier durch die gespannte Feder wieder ein labiles Gleichgewicht.

Wenn auch hier die Abdeckungen aufgeschraubt sind, kann ich die Wochentagscheibe auflegen und die Datumschaltung einmal ausprobieren. Datum und Wochentag sollten gleichzeitig geschaltet werden. Sonst habe ich eins der Schalträder falsch eingebaut. Klappt aber.

Die Leuchtmasse der Zeiger ist schon etwas verblichen und scheinbar auch etwas bröselig.

Natürlich könnte neue Zeiger aufsetzen. Dann wäre aber ein unschöner Farbunterschied zu den ja ebenfalls etwas verblichenen Leuchtpunkten auf dem Zifferblatt. Also mische ich etwas weiße Farbe an und lackiere die Zeiger von der Rückseite damit. Das sollte die Leuchtmasse erst mal wieder stabilisieren.

Wenn die Farbe getrocknet ist, kann ich das Zifferblatt aufsetzen und das Datum auf „halb geschaltet“ stellen.

Dann setze ich den Stundenzeiger auf und kontrolliere noch einmal den Schaltvorgang.

Sehr schön, das Datum beginnt um 23 Uhr zu schalten und ist um kurz vor 1 fertig.

Dann den Minutenzeiger und die kleine Sekunde

Die beiden kleinen Zählzeiger für die Minute und die Stunde

Und zum Schluss den Chronozentrumzeiger

Den Chrono etwas laufen lassen und die Nullstellung probieren.

Passt !

Jetzt nehme ich mir das Gehäuse vor. Ein Drücker klemmt und der andere ist schon etwas wackelig, also ersetze ich die beiden Drücker. Diese matten Gehäuse polieren sich selbst durch die Reibung an der Kleidung. Besonders an den Kanten. Ich werde Band und Gehäuse einmal mit Glasperlen strahlen.

Danach haben beide Gehäuseteile wieder eine samtig matte Oberfläche.

Die feinen Glasperlen setzen sich in alle Ecken und Ritzen, selbst zwischen den Zähnen knirscht es wohl morgen noch etwas. Also müssen die Gehäuseteile sehr gründlich im US Bad gereinigt werden.

Als ich das Glas ausgepresst habe, bemerkte ich, dass der Einpressring nicht mehr richtig hielt. Diese Kunststoffringe altern mit der Zeit. UV Strahlung und evt. Kosmetika (hier wohl eher Rasierwasser ? ) Seifenlauge beim Duschen oder gechlortes Wasser setzen dem Material zu. Es wird hart und spröde. Man erkennt das an der Verfärbung. Rechts ein neuer Ring. Und richtig, beim „Elastizitätstest“ brach der Ring entzwei. Der Wasserdichtheit nicht förderlich.

So sollte das aussehen.

Aber zuerst die Drücker. Vor ca. 10 Jahren hat Fortis neue Drücker eingeführt, die mit einer Schulter versehen sind. So sind sie besser gegen Stöße geschützt. Zuerst werden die neuen Tuben mit der Schulter eingepresst und dann die Drückerköpfe verschraubt. Nicht ohne vorher die Dichtungen mit etwas Silikonfett zu fetten.

Und dann wird das Glas mit dem neuen Dichtring eingepresst.

Dann wird eingebaut. Das Werk in das Gehäuse.

Den Werkhaltering einlegen.

Den Rotor aufschrauben.

Den Dichtring fetten und den Boden aufschrauben.

Die Federstege sahen noch recht gut aus. Gerade bei schweren Uhren mit Metallband sollte man die Stege regelmäßig kontrollieren. Ich spendiere aber zwei neue.

Das Band sitzt „schnackelig“ am Gehäuse ohne zu klappern.

Ich selber trage am Wochenende ja gerne mal eine Vintage. Z.B. diese Roamer Automatik aus den 70er Jahren. Irgendwie ist die am Handgelenk geblieben. Und gegen die 36 mm ist die Fortis schon ein ganz schöner Brocken.

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