eine Wanduhr zur Reparatur

Endlich mal wieder eine Großuhrreparatur. Sogar eine recht interessante. Ein sogenanntes „Bullenauge“ benötigte eine Wartung.

Ich schätze das Alter auf etwa 150 Jahre, die Perlmutteinlagen sind noch gut erhalten.

Wie bei meinem ersten Kadett mit einer Stange, damit einem die Klappe nicht auf den Kopf fällt.

Ich bin bestimmt nicht der erste Uhrmacher, der bei dieser Uhr Hand anlegt. Ob dieser Seegerring original ist?

 

Das Zifferblatt ist eine Glasscheibe, die von der Rückseite bedruckt oder bemalt ist.

Die Metallplatte mit nur 2 Zifferblattpfeilern wird nur von den Buchsen gehalten.

Das Uhrwerk ist aufgebaut wie das einer Comtoise. Mit einigen Unterschieden. Die wichtigsten: kurzes Pendel, das Pendel schwingt hinter dem Werk und statt Seilzug wird das Werk von zwei mächtigen Federhäusern angetrieben. Die Pendelanregung und das Schlagwerk mit Echoschlag sind aber genau wie bei einer Comtoise.

 

Wozu der zweite Hammerkopf ist weiss ich nicht. Als erstes nehme ich das Gehwerk auseinander.

 

Besonders reparaturfreundlich ist das nicht. Der Hammer ist zwischen den Pfosten fest verbaut und kann nicht demontiert werden.

Aber mit etwas „friemelei“ habe ich es dann doch auseinander bekommen.

Die Rechenmechanik kann ich nicht abbauen, sie ist ebenfalls fest vernietet.

 

So-so, Uhrmachen haben immer saubere Hände? Wahrscheinlich war da mal jemand mit WD40 dran oder ähnlichem.

 

Oje, hoffentlich geht das wieder raus.

Oh nein, diese Zugfeder nehme ich nicht aus dem Federhaus.

Reinigen und entoxidieren sollte reichen.

Das total vermodderte Gestell nehme ich in der Mittagspause mit zu Tanke und reinige es mit dem Dampfstrahler.

 

Dann kann das Werk ja wieder zusammengebaut werden.

Wie hatte ich denn das Federhaus ausgebaut?

Ach so. Erst das Federhaus einlegen und dann die vordere Stabplatine einsetzen.

Wie gesagt, besonders reparaturfreundlich ist das nicht. Dann die Räder einsetzen und die hintere Platine drauf.

Mit viel friemelei den Auslösehebel (Auslösewinkel) für das Schlagwerk einbauen.

So ein Mist ! Da liegt noch ein Teil, das ja mit eingebaut werden musste.

Also alles noch mal auseinander und den Hebel einbauen.

Beim Gehwerk das gleiche. Erst das Federhaus einlegen, dann die vordere Platine einsetzen.

Die Räder rein und die hintere Platine drauf.

Aber jetzt kriege ich den Anker nicht mehr eingesetzt. Wieder Mist.

 

Also die hintere Platine noch mal runter und mit dem Anker zusammen wieder draufsetzen. Das mögen wir Uhrmacher eigentlich gar nicht……

Uff, geschafft.

Die zentrale Minutenachse mit der Schlagwerkauslösung wird vom Wechselrad angetrieben. Die Achse wird nur eingesteckt und mit einem Stift gesichert.

Auf dem Wechselrad sitzt auch die Zeigerreibung mit einer Blattfeder.

Das Wechselrad wird aufgesetzt, die Feder etwas gespannt und dann mit einem Stift gesichert.

 

Da fehlt aber eine Scheibe zwischen. Der Stift darf nicht direkt am Trieb reiben. Und das Stundenrad muss eine Begrenzung nach vorne haben. Erst mal gesucht, wo ist die Scheibe geblieben? Dann die Fotos angesehen. Da war keine Scheibe. Es gehört aber eine dahin. Also drehe ich eine leicht gewölbte Scheibe.

Dann noch mal das Wechselrad aufsetzen und das Stundenrad so, dass der Tasthebel bei einer Auslösung genau auf die 12 Uhr Fläche fällt.

Die Sperrräder aufsetzen. Doppelmist! Die hätte ich vor dem Wechselrad montieren müssen. Aber mit etwas Fummelei habe ich Abdeckungen dann doch aufschrauben können.

 

Zum Schluss noch die Pendelaufhängung montieren.

Jetzt kann das Werk erst mal etwas vor sich hinticken.

In der Zwischenzeit bearbeite ich die Fotos, die ich während der Arbeiten gemacht habe. Nach ein paar Stunden, die das Werk gelaufen ist, baue ich es in das Gehäuse ein.

Zifferblatt und Zeiger kann ich später noch aufbauen, erst muss die Uhr noch etwas reguliert und kontrolliert werden.

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