eine Revolutionsuhr

Dieses Uhrgehäuse aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte mir ein Kunde, damit ich es wieder „mit Leben fülle“. Und zwar als „Revolutionsuhr“, also mit dezimaler Zeitanzeige. Das ist ja mal eine interessante Idee.

Und so etwa sollte das Zifferblatt aussehen.

Das erschien mir dann doch etwas zu modern. Ich habe es dann so vorgeschlagen. Der gleiche Stil, aber besser zum antiken Gehäuse passend.

Das macht doch schon einen ganz guten Eindruck, auch wenn das Zifferblatt nur ein Ausdruck auf Papier ist.

Ein passendes Werk mit ½ Stundenschlag konnte ich beziehen, bleibt also noch die Umarbeitung auf dezimale Zeitanzeige. Das habe ich bei Taschen- und Armbanduhren ja schon häufig gemacht. Es bereitete mir auch keine Probleme.

Aber das Schlagwerk muss natürlich auch passend schlagen. Also von 1 bis 10 zur vollen Stunde und dann wieder nur einmal. Dazu ist es erforderlich, eine neue Stundenstaffel zu machen. Ich habe die 12-Stundenstaffel ausgemessen und eine mit nur 10 Segmenten gezeichnet.

Nach dieser Konstruktion fräse ich dann die neue Staffel.

Um die Staffel besser einstellen zu können, niete ich sie auf ein geschlitztes Futter.

Das Futter wird dann noch mit einem Klemmring gegen verdrehen gesichert.

Aber erst mal probieren, ob die Maße stimmen und die Schlagfolge richtig ist. Also die Staffel auf das Stundenrad bauen, das Stundenrad aufsetzen und….. passt. Sehr schön.

Der Rechen fällt auch gut zwischen die Staffel und das Stundenrad und tastet die verschiedenen Radien exakt ab. Mit ein paar Probierzeigern lässt sich das gut prüfen.

Bei den Dreharbeiten für die Räder habe ich auch gleich zwei Abdeckungen für die Aufzuglöcher gedreht. Noch etwas schleifen und polieren, dann sieht das bestimmt gut aus.

Jetzt mal probieren, ob auch alles passt. Das Werk mit dem Papierzifferblatt und den Probierzeigern in das Gehäuse einbauen und das Pendel einhängen.

Das Pendel habe ich mit einer Stoppuhr grob ausgezählt, 148 Schläge pro Minute sollten es sein. Und siehe da, am nächsten Morgen hat die Uhr nur knapp eine Minute Differenz zur „Kontrolluhr“

Über das ganze Wochenende haben sich ca. 4 Minuten aufgebaut. Das kann ich später dann regulieren. Dann nehme ich Zifferblatt wieder ab und bringe es zum Bedrucken. Unterdessen tickert das Werk vor sich hin. Es ist natürlich mit der Leiste verschraubt und steht nicht nur so darauf.

Während das Blatt beim Drucker ist, zeichne und fräse ich die Zeiger in Breguet- Form. Ich orientiere mich dabei am goldenen Schnitt, was die Position des „Auges“ betrifft.

Durch den Umbau auf dezimale Anzeige lassen sich die Zeiger etwas schwerer stellen. Damit der Minutenzeiger dabei nicht verbiegt oder gar abbricht, habe ich eine spezielle Zeigermutter gemacht. An dieser können die Zeiger problem- und gefahrlos gestellt werden.

Das der Aufzugschlüssel den selben Vierkant hat, ist kein Zufall.

Das Zifferblatt ist inzwischen vom Drucker gekommen.

Gleich mal eine Anprobe. Passt perfekt.

Jetzt setze ich die Manschetten ein, die ich noch fein geschliffen habe. Mit Riegeln werden die beiden Hülsen befestigt. Sie dienen auch als Verdrehsicherung.

Dann wird das Blatt mit einer Zentralmutter auf dem Werk befestigt.

Die Zeiger werden 3x beschichtet. Grundieren, lackieren und dann mit Klarlack versiegeln. Ich habe eine dunkelblaue Farbe gewählt mit leichtem Metallic- Effekt.

Dann kann ich das Werk ja einbauen. Aber wie ich das Werk auch gedreht habe, es sah immer irgendwie schief aus.

Also nehme ich mal einen Winkel zur Hand. Und siehe da, es passt doch.

Wahrscheinlich entsteht der schiefe Eindruck zum einen wegen der ungewöhnlichen Aufteilung mit nur 10 Stunden. Zum anderen sind die Ziffern von 5 bis 10 deutlich „massiger“ als die Ziffern auf der rechten Zifferblatthälfte. Dann noch die Zeiger aufsetzen.

Und fertig. Toll sieht sie aus, die Revolutionsuhr. Ich werde sie jetzt noch eine Zeit lang kontrollieren und evt. etwas regulieren. Dann kann der Auftraggeber die Uhr abholen und hat bestimmt viel Spaß mit dieser ungewöhnlichen Zeitanzeige.

 

Nachtrag:

mit Erlaubnis des Kunden, einen schönen Platz hat die Uhr bekommen.