Dezimaluhren

Puh…..bis hierhin war es ein hartes Stück Arbeit und ein langer Weg.

Aber von vorne:

Vor etwa 6 Wochen sah ich, dass ich nur noch eine Dezimaluhr Modell „DuoDial“ am Lager hatte. Also die Anfängeruhr mit zusätzlicher Anzeige der „Erdenzeit“ ? Beim Blick in den Projektkasten sah ich dann auch, dass so gut wie keine vorgefertigten Teile mehr da waren. Da muss ich doch mal mit dem Lageristen Herrn Nienaber ein Wörtchen reden.

Stundenräder und Wechselradtriebe für das zusätzliche Zeigerwerk waren keine mehr da. Die mussten also neu gemacht werden. Die Stundenräder:

Und die Wechselradtriebe:

Die fallen natürlich fix und fertig aus der Maschine und müssen noch nachgearbeitet und auf die passenden Räder genietet werden.

Aber jetzt ist der Kasten wieder voll für die nächste Serie.

Minutenachsen für das zusätzliche Zeigerwerk musste ich auch machen.

Darauf wird das Minutentrieb gepresst. Vorne ist ein Ansatz für den kleinen Minutenzeiger

Zifferblätter waren noch vorhanden, mussten aber montiert werden in den richtigen Farben.

Im Zeigerkasten waren nur noch ein paar vernickelte Zeiger und ein Satz weiß lackierte Zeiger.

Ich habe dann erst die Uhrwerke mit den neuen Rädern versehen und soweit fertig bearbeitet, dass die Werke funktionieren. Dann wieder auseinandergenommen und finissiert. Danach werden die einzelnen Teile zum Vergolden geschickt.

Während die Werke in der Galvanik waren habe ich neue Zeiger gemacht. Die werden in mehreren Arbeitsschritten aus einem Messingblech gefräst. An hinteren Ende bleibt ein Steg stehen.

Auch die Zeiger fallen nicht fertig aus der Maschine. Sie müssen noch geschliffen und entgratet werden. Das Mittelloch wird auf das genaue Maß aufgerieben. Und dann werden sie lackiert. Jetzt kommt der Steg ins Spiel. Damit befestige ich die Zeiger auf einem Blech. Die schwarzen Zeiger lackiere ich mit einer Airbrush-Anlage. Nein, nicht mit der Sprühdose, das ist zu ungenau. Bis ich da die Kanten lackiert habe, ich viel zu viel Farbe auf der Zeigeroberfläche. Die gelben Zeiger mache ich mit einem Lackstift. Es gibt da tolle Stifte in allen Farben von Edding. Richtiger Lack, kein Filzstift.

Die kleinen roten Zeiger lackiere ich auch mit einem Edding. Jetzt sind wieder ein paar Zeigersätze auf Vorrat im Kasten.

Das linke Zeigerpaar ist vernickelt und mit Leuchtmasse ausgelegt. Damit man auch im dunkeln die Zeit nicht ablesen kann. ?

Das Bild ist etwas unscharf wegen der längeren Belichtungszeit in der abgedunkelten Werkstatt. Und ich wollte nicht extra das Stativ aufbauen. Die Stege werden zum Schluss abgemacht. Dort, wo sie am Zeiger saßen, wird noch einmal mit dem Lackstift nachlackiert. Diese Stifte sind echt klasse, man sieht nichts mehr davon.

Und wenn das alles soweit fertig ist, sind auch die Werke zurück. Die werden jetzt wieder zusammengebaut. Kontrolliert hatte ich sie ja schon. Dann geht es an die Endmontage. Nach der Montage des Zifferblattes werden erst die beiden kleinen Zeiger aufgesetzt. Die können dann über Nacht mal 12 Stunden durchlaufen.

Wenn alles soweit in Ordnung ist, wird das zentrale Zeigerpaar montiert. Die kleinen Zeiger auf 12 Uhr stellen. Und die großen Zeiger auf 10 Uhr aufsetzen. Es ist ja eine Dezimaluhr.

Dann ½ Tag, also 12 Stunden, weiterdrehen. Dann müssen die großen Zeiger genau 5 Uhr (dezimal) anzeigen.

Passt! Sehr schön. Ja, und dann sieht der Montagekasten so aus wie auf dem ersten Bild. Ich lasse die Werke noch ein paar Tage laufen, bevor ich sie in die Gehäuse setze. Das linke Werk wird in ein Edelstahlgehäuse gebaut. Die beiden daneben in schwarz beschichtete Stahlgehäuse.

Die beiden rechts kommen in den Kasten „fertige Werke“. Die baue ich dann ein, wenn Bedarf ist. Evt. möchte ja ein Kunde auch andere Zeigerfarben oder die Leuchtzeiger auf seiner Uhr haben. Das kann ich dann gerne machen ohne eine Uhr erst wieder auszubauen.

Ich hoffe ja, auf der MunichTime Ende Oktober im Hotel Bayrischer Hof ein paar Interessenten für diese sehr ungewöhnliche Zeitanzeige zu finden.

 

Nachtrag vom 13.9.2017

 

Es geht nicht immer alles glatt, als ich am Samstag in den Kasten schaute, sah ich das hier:

Son Mist ! Aber der Fehler war schnell gefunden und behoben. Nach ein paar Tagen habe ich dann drei Werke in die Gehäuse gebaut (eingeschalt) und die beiden anderen in kleine Plastikdosen getan. Zum Schutz, wenn sie erst mal im Kasten „fertige Werke“ darauf warten, eingebaut zu werden.

Und wer hier regelmäßig mitliest, kennt den letzten Arbeitsgang: die Schrauben austauschen. Also nehme ich mir ein paar Schrauben aus dem Ersatzteilkasten, schleife die Vernickelung ab, poliere die Köpfe wieder, reinige und entfette die Schrauben. Um sie dann auf einem Lötkolben zu bläuen.

Das sind jetzt mehr als ich für ein Werk brauche, so habe ich welche in Reserve.

Das Werk ist zwar nicht sichtbar, wenn aber mal jemand die Uhr öffnet, soll er ein gut verarbeitetes Werk mit blauen Schrauben und getupftem Werkhaltering sehen.

Ganz zum Schluss noch den Boden mit der historischen Darstellung der Taschenuhr aus dem Jahr 1795 aufschrauben. Fertig.

 

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