das Finale, letzter Teil der Trilogie.

Ich sagte ja, dass ein ganz wichtiges Teil noch fehlt. Datum und Wochentag, da muss eine Anzeige von beiden einzeln verstellt werden können. Auf Freitag folgt zwar immer Samstag u.s.w. Aber das Datum muss ja mal vom 30. Auf den 31. Vorgestellt werden. In den meisten Fällen, wie auch hier, ist es das Datum mit einem Korrekturdrücker. Dieser sitzt genau bei der „2“. Das erleichtert mir die Arbeit. Solche Drücker gibt es fertig zu kaufen, aber leider sind die alle viel zu kurz. Hier einer, der 3 mm lang ist. Vom Gehäuse- Außenrand bis zum Korrekturhebel sind es aber 5,5 mm.

Also muss der Drücker irgendwie verlängert werden. Erst mal auseinandernehmen.

Und dann weiß ich auch schon, was zu tun ist. Den Stift muss ich neu machen, um 2,5 mm länger. Also schnell den alten Stift ausmessen und eine Skizze machen.

Um diesen Stift geht es.

Dreharbeiten habe ich schon oft gezeigt, daher hier nur das Ergebnis.

Dann alles wieder zusammenbauen.

Für die Bohrung im Gehäuse wird der Teilkopf eingespannt und die Mitte ermittelt.

Das Gehäuse wird eingespannt und ausgerichtet. Dann genau 30° drehen.

Mit dem Zentrierbohrer wird das Loch angebohrt, mit Ø 2,4 gebohrt und mit Ø 2,49 aufgerieben. Der Pressansatz des Drückers ist Ø 2,5 mm.

Ein Test: der Drücker geht bis zur Hälfte in die Bohrung, der Rest ist zum Pressen.

Passt. Mit kräftigem Druck ließ sich der Drücker reindrücken. Er liegt ziemlich weit oben, aber der Korrekturhebel liegt nun mal direkt unter dem Zifferblatt.

Und ein Test zeigt, genau da gehört er hin. Der Drückerstift trifft genau auf den Hebel. Nicht zu hoch und nicht zu tief. Ich bin sehr zufrieden mit mir. Darf ich doch mal sagen, oder?

Jetzt fehlt noch der Werkhaltering. Hier ist er. Mit zwei Kerben für die Aufzugwelle und den Drücker.

Noch grob gedreht. Wieder ein Test. Bei den Werkhalteschrauben hat man sich an die europäische Norm gehalten. Metrisches Gewinde M 0,8. Da habe ich schon ganz andere und sehr exotische Gewinde gesehen.

Und noch mal den Boden auflegen, passt auch. Zwischen Boden und Werkhaltering sind etwa 0,2 mm Luft.

Mit einem dünnen Sägeblattfräser mache ich noch zwei Schlitze in den Ring. Diese dienen später als „Federelement“ und drücken den WHR mit dem Werk bei aufgepresstem Boden ins Gehäuse, damit es nicht wackelt.

Nun wird alles noch mal entgratet, gereinigt und vernickelt. Soll ja später auch gut aussehen. Und jetzt geht es an den Zusammenbau. Erst mal den Glasrand aufpressen. Puh, das hat ganz schön geknackt. 3 Hundertstel sind doch ganz schön viel für eine Presspassung.

Der Boden wird mit einem „Sanfil“ Ring eingepresst. Ähnlich wie Mineral- oder Saphirgläser. Ist nur ein anderes Material. Hält den Boden sicher und dichtet ihn gleichzeitig ab.

Ich probiere den exakten Sitz erst mal mit dem Musterboden. Die Maße sind zwar fix, aber besser ist besser.

Passt. Aber jetzt weiß ich, was ich vergessen habe. Einen kleinen Schlitz für das Gehäusemesser, wenn die Uhr mal geöffnet werden muss. Das hole ich beim richtigen Boden gleich mal nach.

 

Das Glas wird in einer solchen Zange vorgespannt und dann in den Glasrand eingesetzt. Dafür auch die Hinterschneidung, damit das Glas dann sicher sitzt

Ups…. Da bin ich wohl etwas aus der Übung. Oder liegt es daran, dass ich Rechtshänder bin?

Neues Glas, neuer Versuch, diesmal mit der rechten Hand.

Sitzt. Als nächstes den Boden verglasen.

Sitzt auch.

Der Werkhaltering ist inzwischen vernickelt, dann kann es ja losgehen.

Das Werk ins Gehäuse setzen.

Die Aufzugwelle hat ein GewindeØ 1,0. Zum Glück habe ich von einem anderen Projekt noch Kronen mit solch einem Gewinde am Lager. Die Länger der Welle passte zufällig auf den 10tel mm.

Die Federelemente des WHR’s noch etwas vorspannen. Da reichen 3 – 4 10tel.

Den WHR einlegen und mit den Werkhalteschrauben sichern.

Zum Schluss den Rotor aufsetzen und verriegeln. Den hatte ich noch nicht wieder aufgesetzt, um Beschädigungen zu vermeiden.

Und als letztes den Boden aufpressen.

Von diesen Synthetikbändern habe ich noch reichlich, ich nehme mal das graue zur Probe.

Und ab ans Handgelenk. Eine flache Uhr ist das nicht geworden, das stand ja schon fest.

Und noch zur Kontrolle auf das Umlaufgerät. In guter Gesellschaft kann die Uhr erst noch mal etwas laufen.

 

Ein Wort noch zum Schluss: das ist jetzt eine Marriage. Aus dem Englischen für „Hochzeit“ oder „Ehe“. Werk und Gehäuse gehören nicht zusammen. Damit kann man auch schlimme Sachen machen. Aus zwei alten Uhren eine ziemlich neue z.B. Aber das lag uns natürlich fern. Und am Werk habe ich nichts verändert. Wenn also doch mal ein Gehäuse für genau dieses recht seltene Werk auftauchen sollte, kann das Werk ohne weiteres in ein Originalgehäuse gebaut werden.