batteriebetriebene Wanduhren

Eigentlich habe ich die erste batteriebetriebene Wand ja nur gemacht, weil es mir Spaß machte. So eine Regulatoranzeige in der Küche, das hat doch was.

Aber ungewöhnliche Zeitanzeigen scheine auch in dieser Art beliebt zu sein. Kaum hatte ich diese Uhr auf meiner HP gezeigt, kam schon ein Interessent, der auch so eine haben wollte. Bitte, gerne. Und schon kam der nächste, die sollte aber größer sein. 50 cm im Durchmesser. Bitte, mache ich gerne.

 

Dann dachte ich, so eine Uhr mit Dezimalanzeige, das wäre ein echter Hingucker. Gedacht – getan.

Und auch dafür gibt es Interessenten. Dezimaluhren in verschiedenen Ausführungen habe ich inzwischen gemacht.

   

Das wiederum fand jemand interessant, aber nicht als Dezimaluhr, sondern mit einer zweiten Zeitzone. Dieses sollte einzeln einstellbar sein, um zu wissen, wann er in Fernost oder wo immer seine Ansprechpartner sitzen, besser nicht anrufen sollte.

Dann die Tidenuhr, die ich im Beitrag vorher gezeigt habe.

Bei dieser Uhr kam die Frage auf, ob da noch eine Mondphase reinpasst. Wegen der Springflut. Dafür hätte ich die Uhr komplett neu machen müssen. Aber über eine Mondphasenzeigeranzeige hatte ich vor längerer Zeit schon mal nachgedacht.

Und ja, ich habe diese Idee dann auch umgesetzt.

Jetzt hängen die Uhren im Geschäft. Obwohl hier in OWL keine Karnevalshochburg ist, nenne ich sie mein „Dreigestirn“. Oder vielleicht doch besser „meine drei Musketiere“. Denn eine vierte als D’Artagnan habe ich ja auch noch. Den Regulator. Mal sehen, was mir noch so in den Kopf kommt. Vielleicht mal was retrogrades?

Ebbe und Flut, eine Tidenuhr

In einem Uhrenforum kam die Frage nach einer Armbanduhr mit Tidenanzeige auf. Es gab einige Vorschläge und viele Gedanken dazu. Mal realisierbare, mal etwas „abgehobenen“, also utopische Ideen. Aber mein Interesse war geweckt. Tidenuhr? Hmmmm….. das ist ja genau mein Ding. Für eine Armbanduhr ist mir das zu aufwändig, zu wenig erfolgversprechend und recht hohe (teure) Fremdleistungen. Aber als batteriebetriebene Wanduhr wäre das eine Überlegung wert. Kann man ja mal machen. Einfach, weil es Spaß macht. Kurze Recherche im Netz, maritime Uhren mit Tidenanzeige gibt es viele. Aber mir schwebt etwas intuitiv ablesbares vor. Schnell mal eine Skizze machen.

Erst dachte ich an eine Aufteilung wie bei der Wanduhr mit Dezimalanzeige und separatem Zifferblatt für die „Erdenzeit“. Aber eine Tidenanzeige bei 6 Uhr ist doch etwas gefälliger.

Diesen Entwurf habe ich dann noch etwas überarbeitet. Auf die Beschriftung HT (high tide) und LT (low tide) werde ich aber verzichten. Es ist ja klar, dass oben Hochwasser ist.

Das Design des Blattes steht also schon mal fest. Von Hochwasser zu Hochwasser vergehen 12 Std. 25 Min. Das ist ein gemittelter Wert für die Nordseeküste. Und der Tidenzeiger soll natürlich diese Zeit für einen Umgang brauchen. Beim Berechnen der Übersetzung von 0,966 : 1 stößt man schnell auf ziemlich große Primzahlen, die Umlenkräder haben viele Zähne und ungewöhnliche Zahnzahlen. Die kann ich nicht selber fertigen. Da muss ich mich an einen Spezialisten wenden, der das besser kann. Vielen Dank an Fa. Hahn FWT, die mir die beiden Räder schnell und problemlos gefräst hat.

Jetzt geht es an die Umsetzung. Nachdem ich eine Zeit überlegt, gedacht und gerechnet habe, mache ich eine „Zeichnung“. Zuerst für das Tidenrad.

Der Tidenzeiger soll einzeln verstellbar sein, um an den Standort der Uhr angepasst zu werden. In Rotterdam läuft die Flut zu anderer Zeit auf als z.B. in Cuxhaven. Aber erst mal das Rad auf die passende Stärke abdrehen und einen Ansatz stehen lassen. Das zweite Rad spanne ich dahinter, damit sich das zu bearbeitende Rad nicht durchbiegt.

POM (Polyoxymethylene) zu bearbeiten ist eine Sauerei. Die Späne fliegen und verhaken sich auch schon mal im Futter. Aber es ist leicht und haltbar. Da freut sich jemand, das später wieder zu sauber zu machen.

Wenn die Räder soweit fertig sind, drehe ich die Achse für das Tidenrad nach meiner Zeichnung. Warum hat noch keiner meiner Mitarbeiter die Maschine geputzt? Alles muss man selber machen.

Ziemlich Futternah.

Den Vierkant für das Zeigerfutter und die Zeigermutter habe ich eingesetzt.

Die Maße passen sehr gut, auch die Höhe.

An die Rückseite kommt noch ein Vierkant für den Stellknopf.

Als Friktionsfeder nehme ich so einen 4-Stern, wie er heute bei Großuhren üblich ist.

Damit die Feder aber nicht am Kunststoffrad reibt und evt. sogar Späne abschabt, fräse und drehe ich eine Vertiefung in das Rad. So ist die reibende Bewegung sicher zwischen Metall und Metall.

Von vorne wird die Achse mit einer Sicherungsscheibe gehalten.

Damit auch hier nicht Metall auf Kunststoff reibt, sichere ich die Scheibe mit einer Schraube gegen verdrehen.

Ich sichere die Sicherungsscheibe? Da muss ich mal mit einem Deutschlehrer drüber reden…….
Egal, Hauptsache, es funktioniert.

Aber jetzt muss das Rad (und die anderen Räder) noch eingebaut werden. Dazu habe ich mir zwei Acrylglasscheiben zuschneiden lassen.

Die Bohrungen zeichne ich erst mal grob an.

Die Achsabstände fahre ich dann aber auf dem Frästisch ab. Die müssen auf das 10tel passen.

Mir einem Schälbohrer vergrößere ich das hinter Loch auf 10mm für das Q-Werk. Ich nehme die etwas stärkeren Werke. Die ziehen die großen Räder und die langen Zeiger besser durch.

Und dann geht’s los. Das Tidenrad einsetzen.

Das Umlenkrad. Der Tidenzeiger soll sich ja im UZS drehen.

Das Antriebsrad auf dem Stundenrad wird mit sanfter Pressung, ähnlich wie auch ein Stundenzeiger, aufgepresst.

Das Zahnspiel ist ideal, habe ich gut gemacht.

Als Distanzstücke nehme ich solche Gewindehülsen, die ich in der Drehbank auf die passende Länge von 8mm gedreht habe.

Dann noch die vordere Platte aufsetzen, und die Uhr kann über das Wochenende laufen.

Aber HALT! In irgendeiner Grabbelkiste habe ich bestimmt noch ein paar Zeiger, die ich zur Probe aufsetzen kann. Richtig, sogar in fast der passenden Länge.

Jetzt will ich es aber auch ganz besonders schön haben. Ich drucke das Zifferblatt als gekachelte Seite aus.

Mit Papierkleber und Tesafilm setze ich die Seiten zusammen.

Und klebe den Ausdruck auf die Schutzfolie der Acrylscheibe. Dann weiß der Drucker auch gleich, wo Oben ist. JETZT kann die Uhr zur Probe laufen.

Mal sehen, wie das dann mit dem Gehäusering aussieht.

Prima, gefällt mir gut. Dann kann ich jetzt ja ins Wochenende gehen. Vorher habe ich natürlich geprüft, ob der Tidenzeiger wirklich 12 Std. 25 Min. für eine Umdrehung braucht. Ja, das tut er. Alles andere hätte mich auch sehr gewundert.
Während das Zifferblatt beim Drucker ist, mache ich noch die Zeiger. Den Tidenzeiger aus Messing.

Die Zeiger für Stunde und Minute aus Alu.

Von der „Krawattenform“ habe ich Abstand genommen. Die habe ich schon auf der Dezimaluhr. Und diese „Beulenform“ übernimmt das Spiel der Wellen, die an die Küste branden. Dann noch etwas schleifen und entgraten. Dann werden die Zeiger lackiert. Zuerst weiß grundiert.

Der Tidenzeiger wird rot

Die Zeiger für Stunde und Minute blau, mit Glitzereffekt.

Dann habe ich alles soweit zusammen und warte jetzt auf das Zifferblatt. Dann geht’s an den endgültigen Zusammenbau.

HURRA, das Zifferblatt ist fertig.

Dann kann es ja losgehen. Auf das Tidenrad kommt noch der obligatorische Flitter.

Dann wird das Zifferblatt aufgesetzt und festgeschraubt.

Dann der rote Tidenzeiger, natürlich mit einer roten Befestigungsmutter.

Der Stundenzeiger

Und der Minutenzeiger

Den Abschlussreif aufklemmen und ab an die Wand.

Aber irgendwie kommen mir die Zeiger etwas klein und „fipselig“ vor. Na ja, dann muss ich ein paar neue und kräftigere machen.

Ja….. das sieht schon deutlich besser aus.

Die Scheibe habe ich noch nicht eingebaut, weil ich noch ein kurzes Video drehen möchte. Da stören die Reflexe dann sehr.
Video
Aber nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Es warten einige Reparaturen auf mich. Und dann muss ich eine Wanduhr mit Dezimalanzeige anfertigen. Für einen Kunden in Österreich.

eine Revolutionsuhr

Dieses Uhrgehäuse aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte mir ein Kunde, damit ich es wieder „mit Leben fülle“. Und zwar als „Revolutionsuhr“, also mit dezimaler Zeitanzeige. Das ist ja mal eine interessante Idee.

Und so etwa sollte das Zifferblatt aussehen.

Das erschien mir dann doch etwas zu modern. Ich habe es dann so vorgeschlagen. Der gleiche Stil, aber besser zum antiken Gehäuse passend.

Das macht doch schon einen ganz guten Eindruck, auch wenn das Zifferblatt nur ein Ausdruck auf Papier ist.

Ein passendes Werk mit ½ Stundenschlag konnte ich beziehen, bleibt also noch die Umarbeitung auf dezimale Zeitanzeige. Das habe ich bei Taschen- und Armbanduhren ja schon häufig gemacht. Es bereitete mir auch keine Probleme.

Aber das Schlagwerk muss natürlich auch passend schlagen. Also von 1 bis 10 zur vollen Stunde und dann wieder nur einmal. Dazu ist es erforderlich, eine neue Stundenstaffel zu machen. Ich habe die 12-Stundenstaffel ausgemessen und eine mit nur 10 Segmenten gezeichnet.

Nach dieser Konstruktion fräse ich dann die neue Staffel.

Um die Staffel besser einstellen zu können, niete ich sie auf ein geschlitztes Futter.

Das Futter wird dann noch mit einem Klemmring gegen verdrehen gesichert.

Aber erst mal probieren, ob die Maße stimmen und die Schlagfolge richtig ist. Also die Staffel auf das Stundenrad bauen, das Stundenrad aufsetzen und….. passt. Sehr schön.

Der Rechen fällt auch gut zwischen die Staffel und das Stundenrad und tastet die verschiedenen Radien exakt ab. Mit ein paar Probierzeigern lässt sich das gut prüfen.

Bei den Dreharbeiten für die Räder habe ich auch gleich zwei Abdeckungen für die Aufzuglöcher gedreht. Noch etwas schleifen und polieren, dann sieht das bestimmt gut aus.

Jetzt mal probieren, ob auch alles passt. Das Werk mit dem Papierzifferblatt und den Probierzeigern in das Gehäuse einbauen und das Pendel einhängen.

Das Pendel habe ich mit einer Stoppuhr grob ausgezählt, 148 Schläge pro Minute sollten es sein. Und siehe da, am nächsten Morgen hat die Uhr nur knapp eine Minute Differenz zur „Kontrolluhr“

Über das ganze Wochenende haben sich ca. 4 Minuten aufgebaut. Das kann ich später dann regulieren. Dann nehme ich Zifferblatt wieder ab und bringe es zum Bedrucken. Unterdessen tickert das Werk vor sich hin. Es ist natürlich mit der Leiste verschraubt und steht nicht nur so darauf.

Während das Blatt beim Drucker ist, zeichne und fräse ich die Zeiger in Breguet- Form. Ich orientiere mich dabei am goldenen Schnitt, was die Position des „Auges“ betrifft.

Durch den Umbau auf dezimale Anzeige lassen sich die Zeiger etwas schwerer stellen. Damit der Minutenzeiger dabei nicht verbiegt oder gar abbricht, habe ich eine spezielle Zeigermutter gemacht. An dieser können die Zeiger problem- und gefahrlos gestellt werden.

Das der Aufzugschlüssel den selben Vierkant hat, ist kein Zufall.

Das Zifferblatt ist inzwischen vom Drucker gekommen.

Gleich mal eine Anprobe. Passt perfekt.

Jetzt setze ich die Manschetten ein, die ich noch fein geschliffen habe. Mit Riegeln werden die beiden Hülsen befestigt. Sie dienen auch als Verdrehsicherung.

Dann wird das Blatt mit einer Zentralmutter auf dem Werk befestigt.

Die Zeiger werden 3x beschichtet. Grundieren, lackieren und dann mit Klarlack versiegeln. Ich habe eine dunkelblaue Farbe gewählt mit leichtem Metallic- Effekt.

Dann kann ich das Werk ja einbauen. Aber wie ich das Werk auch gedreht habe, es sah immer irgendwie schief aus.

Also nehme ich mal einen Winkel zur Hand. Und siehe da, es passt doch.

Wahrscheinlich entsteht der schiefe Eindruck zum einen wegen der ungewöhnlichen Aufteilung mit nur 10 Stunden. Zum anderen sind die Ziffern von 5 bis 10 deutlich „massiger“ als die Ziffern auf der rechten Zifferblatthälfte. Dann noch die Zeiger aufsetzen.

Und fertig. Toll sieht sie aus, die Revolutionsuhr. Ich werde sie jetzt noch eine Zeit lang kontrollieren und evt. etwas regulieren. Dann kann der Auftraggeber die Uhr abholen und hat bestimmt viel Spaß mit dieser ungewöhnlichen Zeitanzeige.

 

Nachtrag:

mit Erlaubnis des Kunden, einen schönen Platz hat die Uhr bekommen.

Metallarbeiten

Ganz schön viele (Edelstahl) Späne für einen Uhrmacher.

Ich dachte, ich arbeite mal etwas auf Vorrat und habe 5 Böden für die Bronzegehäuse gedreht.

 

 

Aus dem Reststück kriege ich vielleicht noch ein paar raus.

 

 

Aber erst mal noch von der Rückseite bearbeiten.

Es ist immer ärgerlich, wenn nach mehreren Stunden Arbeit ein Gewindebohrer (M1) im Mittelteil abbricht. Das Werkstück ist dann nicht mehr zu retten. Daher habe ich mir überlegt, Gewindehülsen einzupressen. Die müssen auch erst mal gedreht werden.

Wenn jetzt ein Gewindebohrer abbricht, kann ich die Hülse auspressen und habe einen neuen Versuch.

 

Nachtrag:

meine „Lieblingsarbeit“ polieren.

Und hier das Gehäuse dazu, Bronze, Ø 43 mm, schon verglast.

Von der Rückseite, die Gewindehülsen sieht man nicht, nur die Schraubenlöcher.

Letzter Nachtrag:

Und hier die fertige Uhr, ein Regulator mit 24-Std. Anzeige. Die Zeiger sind passend zur Bronze goldgelb angelassen.

Homeworking

Unter dem Lockdown habe alle zu leiden. Auch mein Geschäft ist natürlich geschlossen. Aber das heißt ja nicht, dass ich untätig bin. Ich mache halt „Homeworking“. Nicht zu Hause, sondern in der Werkstatt. Ich habe Aufzugräder geschliffen,

und Platinen,

und dann habe ich 10 Uhrwerke montiert für 10 ungewöhnliche Zeitanzeigen.

Die Ausbeute der letzten Wochen habe ich hier in Wort und Bild zusammen gefasst.

 

Nachtrag vom 1.2.

 

heute Vormittag habe ich vier der Werke eingeschalt, also in die Gehäuse eingebaut. Das fünfte kommt erst mal in den Kasten „fertige Werke“. Vielleicht möchte ein Kunde ja grüne oder rote Zeiger. Ein Sonderwunsch, den ich gerne erfülle.

 

Noch eine Dezimaluhr, diesmal mit „C“

Richtig. Denn im Englischen wird Dezimal mit „C“ geschrieben. Und diese Wanduhr hat ein Kunde aus England bestellt. Zuerst mache ich eine Zeichnung im Maßstab 1:2, die mit dem Auftraggeber abgestimmt wird.

Dann muss ich die Räder passend abdrehen. Die Räder sind Zulieferteile, aber alle viel zu dick.

Danach sehen Maschine und Werkstatt wieder aus wie Sau. Kunststoff zu drehen ist eine ziemliche „Sauerei“.

Danach ist erst mal Putzen angesagt.

Die beiden Stundenräder brauchen noch einen sogenannten Flitter, um die Höhenluft zu begrenzen.

Dann setze ich die Räder zwischen zwei Acryglasscheiben.

Die Zeiger fräse ich aus Aluminium, damit sie nicht zu schwer werden und lege sie auf einen 1:1 Ausdruck. Die Länge passt.

Während das Zifferblatt beim Drucker ist, kann die Uhr schon mal etwas zur Kontrolle laufen. Auch die Zeiger werden in der Zwischenzeit lackiert.

Das Zifferblatt ist fertig, die Zeiger werden jetzt aufgesetzt. Die Schrauben tausche ich zum Schluss noch gegen Schrauben mit weißen Köpfen aus.

Und dann setze ich alles in das vorbereitete Gehäuse. Das misst 30 cm im Durchmesser.

Um den unschönen „Bilderrahmeneffekt“ zu vermeiden, habe ich vier Abstandshalter auf der Rückseite angebracht.

Dadurch liegen Uhr und Werk nicht flach an der Wand, sondern stehen etwa 2-3 mm ab. So kann die Luft auch hinter die Uhr ziehen und es bilden sich keine „Staubränder“ um den Reif.

Nachdem alles läuft, habe ich mal ein kleines Video gemacht. Dazu habe ich über eine Stunde lang alle 30 Sekunden ein Fotogemacht und daraus das Video zusammengesetzt. Hier ist es zu sehen.

Ich bin sehr zufrieden mit meiner Arbeit. Der Kunde wird auch zufrieden sein mit seiner individuell gefertigten Wanduhr mit dezimaler und sexagesimaler Zeitanzeige.

Zwischdurch mal was anderes

Während ich auf die Zifferblätter für die Vintage- Uhr gewartet habe, bekam ich eine besondere Anfrage. Ob ich eine Dezimaluhr herstellen könnte. Klar, habe ich ja im Programm. Nein-Nein, eine Wanduhr, fürs Büro. Ach so. Kurz überlegt, klar, kann ich, mache ich gerne. Der Interessent schickte mir dann eine Skizze, wie er sich das vorgestellt hat.

Na ja, das Gehäuse sieht aber komisch aus. Wir haben uns dann auf ein „normales“ rundes Gehäuse geeinigt. Und die inneren Zahlen? Ja, daran kann abgelesen werden, wieviel Prozent des Tages schon vergangen sind. Ach so. Ich habe dann das Zifferblatt gezeichnet und per Bildbearbeitung in einen runden Rahmen montiert. So könnte die Uhr dann aussehen.

Das gefiel ihm, nur der Schriftzug „Dezimalzeit“ sollte weg. Kein Problem. Auf meinen Namen habe ich aber bestanden. Der muss auf dem Blatt erscheinen. Dann habe ich überlegt, was ich so alles dafür brauche. Die Räder konnte ich im Modellbaubedarf kaufen. Die Acrylglasscheiben bei einem örtlichen Händler zuschneiden lassen. Und weil ich die Idee irgendwie witzig fand, habe ich mir gedacht, mache ich gleich zwei davon. Eine für mein Geschäft. Aber dann eine DuoDial, also mit kleinem 12-Stunden Zifferblatt für die „Erdenzeit“ Und zur Sicherheit Acrylscheiben für 3 Uhren, falls was schief geht. Die Räder musste ich natürlich noch bearbeiten. Abdrehen und montieren. Kunststoff zu drehen ist eine ganz schöne Schweinerei, die Drehbank und der Werktisch sahen dementsprechend aus.

Nach getaner Arbeit musste ich erst mal gründlich saubermachen.

Da ist das Räderwerk für die Uhr mit zwei Zeigern.

Dann die Räder für die DuoDial. Das sind ein paar mehr, weil ich ja das zweite Zeigerwerk mit antreiben muss. Ein Extrawerk für das 12-Stunden Zifferblatt war mir zu simpel, zu einfach. Aber auch das hat ganz gut geklappt.

Erst mal ein Satz Probierzeiger aufsetzen und ein paar Tage zur Probe laufen lassen. Währen beide Uhr laufen, kümmere ich mich um die Zifferblätter. Die lasse ich bei einem Werbebeschrifter drucken. Ein gelbes für die DuoDial.

Und das Schwarze für den Kunden

Da sollten gelbe (Messing)Zeiger drauf, die ich dann aus Messingblech gefräst habe. Anschließen lackiert, damit sie nicht anlaufen.

Als „Zugabe“ habe ich dann noch die Initialen des Kunden auf den Rahmen graviert.

Dann alles zusammenbauen und fertig.

Die Zeiger für die zweite Uhr habe ich schwarz und rot lackiert.

Das Gehäuse, also den Rahmen, für diese Uhr habe ich schwarz lackiert und dann das Werk eingebaut.

Die hängt jetzt an exponierter Stelle bei mir im Geschäft. Das hat ja alles sehr gut geklappt, das Reservematerial habe ich nicht gebraucht. Was mache ich jetzt damit? Ach, dachte ich, so eine Wanduhr mit Regulatoranzeige wäre doch auch schick. Gesagt – getan. Natürlich mit authentischer Darstellung, also der Sekundenzeiger in der oberen Zifferblatthälfte. Die Grafik übernehme ich von meiner Armbanduhr mit dieser Zeitanzeige.

Auch diese Zeiger sind lackiert, blau mit Metalliceffekt. Der Sekundenzeiger wird von einem sogenannten „Schleichwerk“ angetrieben und hat dadurch einen kontinuierlichen Gang. Ich habe hier ein kurzes Video dazu eingestellt.

Und hier in bewegten Bildern

 

 

 

 

 

Das warten hat sich gelohnt.

Mittwoch brachte mir der UPS Kurier das lang ersehnte Packet.

Aber der Reihe nach. Vor ca. 4 Wochen bekam ich schon mal ein Paket für dieses Projekt. Aus der Druckerei.

Die Garantiescheine. Zu jeder Uhr gehört ein ordentlich gedrucktes Begleitpapier mit genauer Beschreibung. Und z.B. einer Anweisung, wie das Datum schneller verstellt werden kann. Diese Werke haben keine Schnellverstellung durch eine definierte Kronenstellung.

Aber jetzt zum Paket von gestern.

Ich wusste, da ist ein Haken bei der Sache.

Der weitere Inhalt interessiert mich mehr.

Ja, da sind sie! Genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe. CADOR ist eben doch der Beste.

Mit Sonnenschliff, aufgesetzten Keilen, einen Rahmen um das Datumfenster und Leuchtpunkten. Das Sekundenzifferblatt übernimmt die äußere Gehäuseform.

Bei Tageslicht kommt die Farbe „cool blue water“ noch besser zur Geltung.

Dann werde ich erst mal mein persönliches Exemplar „upgraden“. Bei der Gelegenheit kann ich auch schauen, warum das Datum bei meiner Uhr nicht immer mittig im Fenster steht.

Kleine Ursache, großes Wirkung: die Rastfeder musste etwas mehr gespannt werden.

So steht die Datumscheibe wieder richtig.

Jetzt das neue Zifferblatt aufsetzen und kontrollieren, ob das Datum richtig schaltet.

Ich stelle die Uhr, bis der Schaltvorgang abgeschlossen ist und setzte den Stundenzeiger dann bei 1 Uhr auf.

Um 3 Uhr dann den Minutenzeiger und den Sekundenzeiger.

Ein Test, ob der Stundenzeiger gut über den Sekundenzeiger geht.

Test bestanden! Dann der Einbau ins Gehäuse.

Und das Glas aufpressen.

Son Mist, noch ein Krümelchen unter dem Glas. Also noch mal runter damit und den Krümel entfernen. Und dann: ab ans Handgelenk.

Dann hole ich mir jetzt den Kasten mit den Gehäusen und montiere weiter.

Auf besonderen Wunsch eines Interessenten habe ich zwei Gehäuse plattieren lassen mit 30 µ Schichtdicke. Ich hoffe, das gefällt ihm.

Hier noch ein Nachtrag:

zuerst habe ich eine Uhr im goldplattiertem Gehäuse montiert. Das Bild schicke ich dem Interessenten.

Das Werk für diese Uhr habe ich rhodinieren lassen. Goldfarbenes Gehäuse und vergoldetes Werk, das war mir dann doch zu viel Gelb an der Uhr.

Wenn dem Interessenten diese Ausführung gefällt, bekommt der Gehäuseboden noch eine individuelle Beschriftung.

 

Und hier noch ein paar schöne Fotos.

Das Video zur Uhr ist nun auch online

Und hier noch ein Blick in das „Filmstudio“

 

20 Gehäuseböden

So, die 20 Böden sind vom Beschriften zurück.

Die Zifferblätter sind noch nicht fertig. Ich glaube, das nennt man „unterbrochene Lieferkette“. Laut Rückfrage muss noch die Leuchtmasse aufgetragen werden, die dann noch trocknen muss.

Die 40 Werkhalteschrauben, 2 pro Uhr, habe ich auch schon thermisch gebläut.