ein Werkstattbericht

Hier mal wieder etwas aus der Werkstatt.

Zufällig habe ich gerade zwei Speedy’s aus unterschiedlichen Epochen in der Werkstatt.

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Eine ältere, die bestimmt auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann. Ein Drücker saß schief und hing nur noch an einem seidenen Faden. So wie die Aufzugwelle aussieht, sah der komplette Aufzug aus. Rostig.

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Das Gehäuse von diversen Aufarbeitungen ziemlich rund poliert. Das Werk war leicht angerostet und brauchte dringend eine Überholung. Die zweite war wohl mehr eine Bürouhr. Guter Zustand, aber die Zugfeder war gerissen. Beides wären dieselben Reparaturen gewesen. Wenn ich bei einem Chronografen die ZF ersetze, mache ich selbstverständlich gleich eine Werküberholung mit. Und bei einer Überholung tausche ich automatisch die Zugfeder aus

Und jetzt das Suchbild: was fällt dem geübten Betrachter sofort ins       Auge?

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Richtig.  Da fehlt eine Schraube.

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Schlimmer noch, die Schraube ist abgebrochen

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Ach du Schei***.  Ich habe dann erst versucht, den Stummel raus zu drehen und mir dabei meine beste Pinzette ruiniert. Ohne Erfolg. Aber vielleicht komme ich ja von der Rückseite dran. Also erst mal das Werk auseinandernehmen.

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Prima, da komme ich dran. Ging auch ganz einfach.

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War nur leider die falsche Schraube.

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Diese wäre es gewesen.

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Aber keine Chance, an den Schraubenrest zu kommen. Also muss erst mal die Gewindehülse raus. Weil mein 0,8 mm Punzen abgebrochen ist, drehe ich aus Messing schnell einen passenden Einsatz für einen Lochpunzen.

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In der Triebnietmaschine drück ich die Hülse raus.

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Da ist sie

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Aber auch in einem kleinen Spannamboss bekomme ich den Gewinderest nicht raus.

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Hmmm….. mal überlegen, was andere jetzt machen würden. Eine neue Grundplatte? Wo soll ich  eine neuwertige und so dekorierte Grundplatte herbekommen? Und die Hülse einzeln als Ersatzteil gibt es auch nicht. Also muss eine neue gemacht werden. Die Schraube hat ein kleines     Gewinde und einen großen Kopf. Eine Sperrradschraube müsste die richtige sein. Ich glaube, da habe ich noch welche…..

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Ein Stück Stahl in die Drehbank und passend drehen.

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Ich lasse hinten einen kleinen Ansatz stehen, weil ich diese Riffelung für den Presssitz nicht machen kann.

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Und dann M 0,7 in Stahl bohren.

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Uff, hat geklappt. Jetzt die Hülse einpressen.

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Passt ja supergut. Die Hülse steht auch genug über. Die Feder, die darauf geschraubt wird, ist noch beweglich, hat aber kaum Höhenspiel.

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Der Rest ist Routine. Natürlich mit der gebotenen Vorsicht. Alte Zugfeder raus, neue rein.

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Dann erst mal das eigentliche Uhrwerk montieren und den Gang prüfen.

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Na ja, das geht aber besser

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So ist es gut.

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Dann die Teile für den Chronografen aufbauen.

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Und zifferblattseitig die Mechanik für den Stundenzähler (gehört natürlich auch zu den Chrono-Teilen)

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Und dann, aaahhhhh…..,

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die Feder mit der neuen Schraube. Größer hätte der Schraubenkopf nicht sein dürfen, passt gerade so. Sonst hätte ich ihn etwas kleiner       gedreht.

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Uff, geschafft. Jetzt noch Zifferblatt und Zeiger setzten und einbauen. Dann kann der Besitzer seine Speedy ja zu Weihnachten tragen.

Ein Gedanke zu „ein Werkstattbericht“

  1. Hallo Rainer , guten Abend . Phantastisch hast du das gemacht Und so filigran und lütt . Das muß man schon mögen in dieser Größe . Das macht aber auch einen Uhr …Macher…. auch aus . Und nicht geht nicht , habe ich nicht .usw. Ich weiß von was ich rede . Prima ,das die Omis in deiner Werkstatt waren und wiederbelebt wurden .
    Vielen Dank für den Bericht .

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