ein Werkstattbericht

Zur Zeit habe ich eine PPU (Präzisionspendeluhr) zur Aufarbeitung in der Werkstatt. Diese Uhr habe ich für einen Kunden angefertigt. Es handelt sich dabei um die laufende Nummer 77 aus dem Jahr 1999

Die Uhr ist als Monatsläufer ausgelegt, bei der Fallhöhe des seitlichen Gewichtes läuft die Uhr etwa 35 Tage. Das Uhrwerk ist mit Stein- und Kugellagern versehen, die Paletten des Grahamgangs sind mit Rubinsteinen bestückt. Das INVAR- Pendel ist temperaturausgleichend und mit einer Luftdruckkompensation versehen.

Das Werk hatte ich vor 2 ½ Jahren schon einmal einer Durchsicht unterzogen. Da beim Besitzer jetzt renoviert wird, bat er mich, die Uhr solange zu „lagern“ und bei der Gelegenheit auch die vernickelten Teile zu säubern. Die waren im Laufe der Zeit etwas angelaufen. Also los: erst mal den Doppelzylinder vom Pendelstab abschrauben und auseinander bauen. Nur so komme ich an alle Stellen.

So etwas mache ich am liebsten mit Chrompolitur. Es sind ja keine Kratzer, sondern nur Verfärbungen. Da, wo öfter mal mit bloßen Händen angefasst wird.

Danach ziehe ich Gummihandschuhe an und montiere die Teile wieder. Der Unterschied ist deutlich zu sehen.

Auch die Luftdruckkompensation muss ich komplett zerlegen, um alle Teile polieren zu können.

Es hatte schon mal jemand versucht, die Umlenkrolle für das Antriebsgewicht zu polieren. Dabei aber leider auch die Anlassfarbe der Schraubenköpfe mit abgerieben.

Also habe ich Rolle auch auseinander genommen. An der Lagerbuchse sind deutlich Laufspuren zu sehen, die Buchsen werden gereinigt und neu gefettet.

Die Schrauben werden noch einmal poliert, gereinigt und entfettet. Dann auf der Herdplatte wieder thermisch gebläut.

Bei der Farbe Goldbraun musste ich die Kamera aus der Hand legen. Hier die Rolle in zusammengebautem Zustand.

Und dann muss alles wieder zusammengebaut werden. Die Luftdruckkompensation wird  auf dem Pendelstab befestigt. Dafür ist an der richtigen Stelle eine Einkerbung im Pendelstab.

Das Pendel wird eingehängt und das Werk eingebaut.

Auch hinter dem Zifferblatt ist das Uhrwerk noch pikobello. Kein Wunder, hatte ich doch vor 2 ½ Jahren erst saubergemacht.

Die Pendelskala ist verstellbar, je nachdem, wie die Uhr später hängt. Hier steht sie ja auf einer Holzkiste. Die beiden oberen Schrauben sichern die Uhr nur am kippen.

Dann die Umlenkrolle und das (inzwischen auch gereinigte und polierte Gewicht) einhängen.

Als nächstes befestige ich versilberte Zifferblatt mit drei Schrauben.

Die gebläuten Stahlzeiger werden gereinigt und neu versiegelt.

Zuerst setze ich den Sekundenzeiger auf.

Dann Stunden-und Minutenzeiger

Der vernickelte Abschlussreif des Zifferblattes ist auch angelaufen.

Er sieht nach der Behandlung wieder gut aus.

Jetzt spiegeln sich sogar die Minutenzahlen wieder darin.

Fertig.

Weil ich das Pendel komplett zerlegt habe, muss es jetzt wieder neu einreguliert werden. Diese Uhren gehen sehr genau, die Gangabweichung beträgt maximal eine Sekunde in der Woche, meist aber weniger. Je nachdem wie gut und solide die Wand ist, an der die Uhr hängt.

 

Nachtrag vom 31.7.2017

Gestern (30.7.) bin ich dann zum Besitzer der Uhr gefahren. Das Gehäuse hatte er schon geholt und aufgehängt. Ich habe dann noch das Pendel zusammengebaut, eingehängt und das Werk montiert. Nun „tickt“ sie wieder.

 

 

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